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+30updown
2005-08-14 12:22:00

Wenn ich es richtig erinnere gibt es heute wieder kein Wasser. Durch diese Problematik angeregt, unterhalte ich mich mit Sonia und Julia über die Beziehungen des Libanon zu Israel. So wird beispielsweise bei jedem verkauftem Produkt der „Coca-Cola Company“ eine gewisse Spanne des Gewinns an die Zionisten in Israel gegeben. Selbiges gilt für Ariel Waschmittel (das ist jetzt kein Kalauer…) und für weitere Produkte. Dies ist auch der Grund, warum es hier Mecca Cola, eine Alternative zu Coca-Cola gibt, und nahezu nur Pepsi und Miranda konsumiert werden. Ungern gesehen werden auch die Israelischen Investitionen im Lande. Das Ziel Israels, den Libanon zu übernehmen, um seine Wasservorräte zu benutzen, konnte zwar bisher durch die Hisbollah verhindert werden, dennoch herrscht große Angst vor jüdischen Wirtschaftern.

Vermutlich ist die Region hier auch der Ursprung vieler Verschwörungstheorien. Zum Beispiel, dass George Bush selber Bin Laden eingesetzt habe und die Anschläge vom 11. September organisiert habe. Eine weitere Theorie ist, dass Israel hinter dem Terrorismus steht. Denn kurz bevor dem Attentat wurden sämtliche jüdische Mitarbeiter im World Trade Center angerufen und gewarnt, nicht zur Arbeit zu gehen – dieser Teil der Theorie ist gesicherte Information.

Anschließend beginne ich über die Reise nachzudenken und ziehe die ersten Fazite, während ich meinen Koffer stopfe. Es ist eigentlich schade, dass ich schon heute fahren muss, aber auf der anderen Seite bleiben kurze Reisen auch umso mehr im Gedächtnis und so oder so muss ich ja eines Tages abreisen.

Dann geht es mit ein paar von Feras’ Freundinnen und Freunden zum Flohmarkt, wo wir nach DVD, antiken Mitbringseln und Klamotten schauen. Ich kaufe allerdings nichts, weil mir die meisten Titel der aus Malaysia stammenden Hauptstromvideos nicht zusagen oder ich die arabischen Buchstaben nicht lesen kann. Die Geldscheine aus dem österreichischen Kaiserreich sind zwar interessant und ein paar Vasen sehen auch ganz hübsch aus, aber wirklich Verwendung finde ich dafür dann vermutlich nicht. Kurzum, ein Flohmarkt wie in Europa, nur eben mehr Illegalität und mehr Gastronomie. Nach ein wenig Warterei aufgrund einiger Verhandlungen unserer Parteien mit den Verkäufern fahren wir dann zurück, wo wir die ersten Vorbereitungen für den Gedichteabend treffen – allerdings mehr innerlich, denn das angekündigte Dinner muss aus nicht weiter erwähnten Gründen ausfallen. Stattdessen kaufen wir ein paar Flaschen Wein und gesalzene Nüsse, welche hier sehr wohlschmeckend und speziell sind. Zwar ist der Gastgeber Feras nicht da, wenn die ersten Gäste mit einer Verspätung von einer halben Stunde – früh für den Libanon – eintreffen, aber er ist „very sorry“ und das ganze wie immer kein Problem. Obwohl für 8 Uhr geplant, fangen wir dann doch erst um 22 Uhr an. Ich spiele ein paar Bluesimprovisationen zu arabischen Gedichten. Ebendiese sind übrigens alle in Hocharabisch geschrieben. Die Bedeutung des Hocharabisch ist vergleichbar mit dem Status der lateinischen Sprache im Mittelalter. Hocharabisch dient für das Schriftliche und die jeweiligen Dialekte wie Spanisch, Französisch und Italienisch zur Verständigung des Volkes unter sich.

Schließlich wünschen mir die Teilnehmer des Abends einen sicheren Flug und ich fahre mit Sonia, Julia und Feras, also der WG, zum Flughafen. Nach Verabschiedung mit ungewisser Aussicht auf ein Wiedersehen begebe ich mich in die Passbürokratie der Libanesen.