Heute früh nach dem Frühstück haben wir zunächst einen Stromausfall im gesamten Viertel. Zu diesem Thema fällt mir eine Anekdote Sonias ein. Auf Korsika, wo Sonia lebt, hatten sie einst Stromausfall aufgrund lang anhaltenden starken Regenfalls. Nicht aber, weil dann die Generatoren streiken, sondern weil es auf Korsika üblich ist an Regentagen nicht zu arbeiten.
Ich fahre also mit dem Taxi zu Julia, welche sich beim Arabischkurs in der „Université Saint Joseph“ befindet. Die Verhandlungen mit den Taxifahrern gestalten sich als sehr kompliziert. Es gibt hier zwei Taxitarife. Der eine lautet „Service“ (französisch ausgesprochen) und der andere „Taxi“. „Service“ kostet Fixpreis 1000 Lira bis zu einem beliebigen Ort, allerdings können zwischendurch andere zum „Service“- Tarif buchen und zusteigen und aussteigen. Dies verzögert die Fahrt manchmal ein wenig. Beim „Taxi“- Tarif wird ein Festpreis ausgehandelt und der Fahrer bringt einen direkt zum gewünschten Ziel. Die meisten Fahrer sind nur für 5000 Lira bereit („Taxi“) und schließlich finde ich einen, der zum „Service“- Tarif für 2000 Lira fährt. Er kann also weitere Passagiere mitnehmen, aber ich zahle fix 2000 Lira, also etwa einen Euro. Nun beginnt der schwierige Teil des Taxi Fahrens. Es gilt, dem Fahrer klar zu machen, welche Destination man gerne hätte. Beim Aushandeln des Tarifs sagt man in der Regel nur den Namen des Viertels. Julia hat mir zwar einige Lokalitäten in der Nähe der Universität aufgeschrieben, doch die meisten Taxifahrer kennen sich nicht sehr gut aus. Schließlich erkläre ich ihm mit Händen und Füßen wo ich hin möchte, er spricht sehr schlecht Englisch, und lande pünktlich um 12 Uhr am Ziel.
In der Universität angelangt treffe ich Julia und wir gehen in den Computerraum um den digitalen Postkasten zu pflegen und das Reisetagebuch zu vervollständigen. Dies gestaltet sich als schwierig, da das Internet von der Uni nicht komplett frei geschaltet wurde, doch nachdem ich bemerke, dass das Administrator- Passwort nicht gesetzt ist, gestaltet sich alles relativ einfach. Bis in etwa zwei Uhr bleiben wir im Raum, nun ist Mittagspause, wir kaufen uns etwas zu trinken und gehen ins Nationalmuseum „Mathaf“.
Hier wird die Geschichte der Region dargestellt. Von den Helenen, Phöniziern, Römern bis zu den Byzantinern werden hier Skulpturen, Sarkophage, Mosaike, Vasen, Schmuck, Goldblätter und vieles Antikes mehr präsentiert. Aufgrund des Mangels an Hintergrundinformationen lesen wir uns primär die Übersichtstafeln durch und schauen einen Film über die Restauration des Museums, welcher sehr interessant ist. Das Museum wurde während des Bürgerkriegs stark beschädigt, sämtliche Vasen und wertvollen Gegenstände lagen im Keller bei 98% Luftfeuchtigkeit in Wasserlachen. In den oberen Stockwerken wurde gekämpft, doch eine Partei der Kriegstreiber sicherte die großen Skulpturen mit Betonwänden, sodass wenigstens diese relativ unversehrt geborgen werden konnten. Seit 1999 ist das Museum wieder geöffnet, obwohl die Gegend sehr arm ist, scheint erfreulicherweise für solche Restaurationsarbeiten Geld vorhanden zu seien. Gefördert wurde das ganze von der Japanischen Regierung.

Generell sind vor allem die US- Amerikaner und Kanadier stark in der Förderung der Region involviert. USAid hat an vielen Stellen, teils ungern gesehen, Fördermaßnahmen etabliert und beispielsweise den Nationalpark gefördert. Viel getan wurde auch in entlegenen Dörfern. Es mag sein, dass die EU ähnliche Maßnahmen durchführt, zumindest fällt dies nicht so auf, die die kleinen Amerikaflaggen, welche bei USAid- Projekten installiert werden. Viel getan wird auch von der Heinrich-Böll-Stiftung (das ganze soll hier aber keine Parteiwerbung sein…). Diese fördert beispielsweise die NRO „Green Line“, bei der unser Mitbewohner und Vermieter Feras arbeitet. Diese organisiert am Sonntag eine Fahrradtour, etwa 40 Kilometer Strecke, erwartet werden immerhin 160 Teilnehmer, viel für eine Autonation wie den Libanon.
Unsere Rückfahrt verläuft unproblematisch, der Taxifahrer spricht sogar ein wenig Deutsch, weil er fünf Jahre in Deutschland gelebt hat. Dort lebten nach seinen Angaben vor allem in Hamburg, Bremen und Süddeutschland viele Libanesen, in der Hauptstadt weniger. Er erzählt uns, wo wir ein arabisches Taxifahrer- Schild (die gelben Leuchtschilder auf den Autos) für sechs Dollar erwerben können. Hier sei alles erwerbbar, selbst einen „PHD“ (Doktortitel) ließe sich hier kaufen, einer seiner Verwandten hat einen solchen. Wem ich einen mitbringen soll, möge sich melden…
Die meisten Taxifahrer, die ein wenig mit uns sprechen und erfahren, dass wir Deutsche sind, schwärmen von „Bayern Munich“ und „Ballack“ und „Oliver Kahn“. Wie ich bereits erwähnte, werden die Verkehrszeichen hier kaum berücksichtigt. Das einzige Schild, welches beachtet wird, ist das „Einfahrt verboten“- Schild bei Einbahnstraßen. Geblinkt wird übrigens mit der Hand oder gar nicht. Klimaanlagen werden nicht benutzt, auch wenn vorhanden, sondern es werden die Fenster geöffnet.
Anschließend verbringen wir den Abend mit ein paar Gesprächen, ein paar Baguette- Brötchen und Kartenspielen.