Aufgrund der vielen herumstreunenden Katzen haben ein paar Flöhe den Weg durch unsere Haustür gefunden und meine Füße zerstochen. Wir werden das Viehzeug nachher mit Sprühmittel vertreiben. Gleiches gilt für die Milben in den Matratzen.
Als nächstes gehen wir in die Altstadt, wo wir auf einen per Stahlseil an die Erde gebundenen Heißluftballon in windige Höhen aufsteigen. Bei 45 km/h Wind in 150m Höhe verlassen wir uns auf deutsch-französische Ingenieurskunst und machen Fotos von Beirut. Hier ein Exposé:

(Hier explodierte der Ministerpräsident. Das gesamte Areal ist großflächig abgesperrt. Das zerstörte Hotel links von der Straße wurde eine Woche zuvor renoviert. Während des Attentats, welches angeblich per Satellit gesteuert wurde, kamen lediglich Hariri und seine Leibwächter ums Leben.)

(Ein Blick auf die Nordstadt. Das grüne Areal ist die „American University of Beirut“, rechts die Strandpromenade, die berühmte Corniche.)

(Ein Blick in die andere Richtung. Zu sehen die renovierte Altstadt, dahinter das östliche Beirut. Die Moschee mit den blauen Kuppeln ist die Hariri- Moschee. Das große Gebäude rechts davon mit dem Innenhof das Haus der Minister.)

(Links ein kleiner Yachthafen. Vorne ein Hotel im Bau, dahinter soll ein Park entstehen. Ganz Links das Mittelmeer.)

(Im Bild die Gondel des Ballons, welche wie ein Ring konstruiert ist. In der Mitte die sichere Verankerung mit dem Boden. Rechts das Hotel „Holiday Inn“, welches kurz vor dem Bürgerkrieg fertig gestellt wurde, eine der umkämpften Hochburgen im Beiruter Hotelkrieg war und vielleicht – „innsha allah“ – doch noch eines Tages restauriert werden soll, wurde zumindest gerade von den Saudis gekauft)

(„Ballonbau Wörner“, klingt nach deutscher Wertarbeit. Es ist derselbe Ballon wie in Berlin am Potsdamer Platz.)

(Beirut Mitte. An manchen Stellen noch deutliche Spuren vom Bürgerkrieg, welcher vor fünfzehn Jahren zu Ende ging.)
Hier ein schlechter Witz zum Aufheitern zwischendurch: Wie nennt man einen blöden Libanesen? Libanesel.
Anschließend gehen wir zum Platz des Hariri- Attentats, wo immer noch nicht aufgeräumt worden ist.

Nun suchen wir eine Post auf um die Urlaubskarten abzuschicken, aber leider hat diese geschlossen. Zuhause angekommen kümmert sich Julia mit Frauke um einen Artikel für das Magazin „zenith“, welche über den nahen Osten berichtet. Später dann gleicht sie mit Sonia und Marie-Louise ihre Sprachkenntnisse für den morgigen Libanesisch- Test ab. Ich lese derweilen in Büchern über Quantentheorie und Philosophie, wenn auch nicht sehr konzentriert, weil das bei dem Lärm, der hohen Luftfeuchtigkeit und den hiesigen Temperaturen kaum möglich ist.