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2005-08-01 12:22:00

Das Wetter, die vielen Aktivitäten und vor allem die Mentalität haben mich müde gemacht, sodass ich bis kurz nach elf ausgeschlafen habe. Julia besucht im Moment ihren Hocharabisch- Kurs und ich schreibe die ersten drei Reiseberichte. Nach ihrer Ankunft ist sie wiederum so erschöpft, dass wir bis drei Uhr zunächst nichts unternehmen. Anschließend gehen wir in das Internetcafe in der Nachbarstraße, laden die Berichte der ersten Tage hoch und holen die Bilder vom Fotoladen ab (für 5 Euro gibt es einen kompletten Film entwickelt, mit Foto CD, Fotoalbum und neuem Film). Nun kochen wir uns nach europäischem Vorbild (Julia mag keine Falafeln mehr) Spaghetti mit Tomaten, Petersilie und einheimischem Käse (sehr zu empfehlen, etwas salzig, eine Mischung aus Mazzarella und Ziegenkäse).

Anschließend suchen wir einen Taxi, der uns zum Sprachkurs Libanesisch bringt. Abgesehen davon, dass es sich um ein sehr heruntergekommenes Auto, selbstverständlich einen Mercedes, handelt und der Fahrer uns fragt, ob wir „Heil Hitler“ in Deutschland sagen und betont, wie toll der deutsche Fußball sei, kommen wir relativ pünktlich an.

Das in den einzelnen arabischen Ländern gesprochene Arabisch ist im Kontrast zum Hocharabisch vergleichbar verschieden wie Schweizerisch und Hochdeutsch. Da der Kurs sehr kurz und intensiv ist, wird in europäischer Lautschrift geschrieben und nicht in arabischen Lettern, was mir als Besucher einen schnellen Einstieg ermöglicht, obwohl ich bei den ersten vier Sitzungen nicht anwesend war. Für die Interessierten hier zwei Vokabeln: „Hirik“ bzw. „Hirak“ bedeutet „Wie geht’s dir“ zu einer Frau bzw. zu einem Mann. „Danke“ heißt „Shokrann“. Die libanesische Lehrerin spricht ausschließlich Libanesisch mit uns und umschreibt die Wörter solange mit Gesten und Wörtern, bis wir sie erraten.

Wir fahren zurück, wieder ein sehr nerviger Taxifahrer, der uns von tollen deutschen Fußballern und seinen tollen Reisen nach Wien erzählt (dort hat ihn die Polizei wohl wieder abgeschoben) und mehrmals einen höheren Preis auszuhandeln versucht.

Im Libanon herrscht ein interessanter Fahrstil. Rote Ampeln, Stoppschilder und dergleichen werden ignoriert. Es wird auf die Kreuzung zugefahren, die Fahrer gehen etwas vom Gas, hupen und fahren über die Kreuzung. Lediglich die mit Maschinengewehren bestückten „Verkehrsordner“ schaffen es, die Libanesen zum Halten zu bewegen und den Verkehr zu regeln. Von allen bisherigen Taxifahrern war lediglich einer angeschnallt und viele Arbeiten von morgens sechs bis Mitternacht. Gerade bei den alten Taxis zeigt sich, was deutsche Wertarbeit von Mercedes ist. Selbst die ganz alten Limousinen aus den siebziger Jahren fahren noch, wenn auch teils mit komischen Geräuschen und vollkommen heruntergekommenen Sitzen, teils lassen sich die Metallfedern in den Sitzen spüren.

In den Straßen ist eine hohe Militärpräsenz und das Militär ist auch bis auf die Zähne bewaffnet. Es sieht teilweise aus, als würde in zehn Minuten die Hisbollah angreifen oder die rote Armee einfallen. Gepanzerte Wagen mit Soldaten fahren durch die Straßen, Trucks mit großkalibrigen Maschinengewehren, welche einsatzbereit von einem Soldaten bedient werden und an den Straßenecken Soldaten mit Schnellfeuerwaffen und Maschinengewehren. Es wurde uns allerdings gesagt, das Militär würde seine Waffen nicht einsetzen.

Sonia, Marie-Louise und ein Unbekannter in der Bar.

Jetzt geht es in die Bar „Prague“, wo sich Julias Freunde treffen. Ich gehe dort mit Sonia, unserer Mitbewohnerin, und Frauke hin, Julia ist zu müde und muss Hausaufgaben für den Arabischkurs machen.

Nach ein paar interessanten Gesprächen mit libanesischen Amerikanern (viele flüchteten in die USA aufgrund des Bürgerkriegs), welche hier teils studieren und teils in Nicht-Regierungs-Organisationen involviert sind, bringt Sonia mich nach Hause (ich kenne mich schließlich kaum in Beirut aus) und geht wieder dort hin.