Zunächst gibt es libanesisches Joghurt (Laban), libanesischen Quark (Labneh), Äpfel, Birnen und Pita als Frühstück (Julia befindet sich gerade beim Arabischkurs). Alsdann schreibe ich die weiteren Berichte und wir gehen zur Standpromenade.

Anschließend treffen wir den Deutsch sprechenden Libanesen Bassam, ein Freund von Julia, welcher uns Wein mitgebracht hat und uns mit seinem Auto durch die Stadt führt. Wir sehen die Strandpromenade, erfahren Hintergrundinformationen darüber, welche Häuser wem gehören und wer sie gebaut hat. So sehen wir beispielsweise die ehemaligen Häuser der syrischen Besatzer und Geheimdienstler, deren Wohnungen inzwischen zum Verkauf stehen, ohne dass es jemanden gäbe, der sie kauft. Dies liegt daran, dass viele Libanesen immer noch Angst haben, die Syrer könnten zurückkommen. Vor allem kennt sich der als Fremdenführer, Bauleiter, Händler und in anderen Bereichen Tätige politisch gut aus und weiß die Lage weitaus besser einzuschätzen als die westlichen Medien. Er erzählt uns viel über die Hisbollah. Ebendiese hat in jüngerer Zeit einen Palast von Restaurant gebaut, welcher an die phönizische Architektur erinnert, sehr orientalisch und modern. Wir fahren an den Rändern der Flüchtlingslager, mitten in der Stadt, vorbei und werden von ihm in die eben beschriebene Lokalität auf einen Guaven- Saft und Kaffee eingeladen. Die Hisbollah engagiert sich vor allem für die Armen des Landes. Es gibt Schulen von der Hisbollah, Infrastruktur und vieles mehr. Inzwischen hat die Organisation den organisierten Kampf zwar den bewaffneten Kampf nicht aufgegeben, aber ist primär sozial aktiv und engagiert sich politisch. Die ehemaligen Hoheitsgebiete der Hisbollah sind für Touristen geöffnet (das Baalbek- Tal zählt zum Beispiel auch hierzu). Nach einigem Small- Talk über seine Projekte (er möchte nach Afrika ziehen und dort moralischeren Handel mit medizinischen Geräten und Verbrauchsmaterial aufbauen) beschreibt er die Verschiedenheit der Kulturen des Orients und des Westens. Den Hauptfeind sieht er wie so viele hier, allerdings nicht unbegründet, in den USA und Israel. Seines Erachtens ist es auch der israelische Geheimdienst, welcher Hariri umgebracht haben soll, gut möglich, da außer Israel nahezu alle Länder der EU und Nachbarstaaten bei der Beerdigung von Hariri waren und zudem die Ermittlungen über das Attentat auf mysteriöse Weise aufgehalten werden. Interessant sind auch seine Ausführungen über den Bürgerkrieg. Von 1975 bis 1977 war die erste Welle und von 1979 bis 1981 die zweite Periode von Unruhen. Anschließend eroberten die Israelis 70% der Landschaft. Die Natur wurde durch die Kriege auf 12% der vorherigen Fläche reduziert, weil Sichtfläche für die Soldaten geschafft werden musste und im Niemandsland viele Menschen Holz rodeten. Die Währung verlor sehr stark an Wert: Um 1975 waren 0,3 Lira 1 Dollar, nach den Kriegen entsprachen 4000 Lira 1 Dollar. Inzwischen sind es – wie bereits erwähnt – 1500 Lira, welche einem Dollar im Wert entsprechen.
Die Flüchtlingslager hier in Beirut sind nebenbei relativ gut. Es sind keine Slums, aber eben auch keine normalen Wohnungen. Die Menschen leben in Blechhütten oder zelten. Viele Flüchtlinge haben auch auf Staatsgebiet illegal Wohnungen gebaut. Dies wird zumeist toleriert. Die Wegweiser zu den Flüchtlingslagern sind allerdings nur auf Arabisch beschriftet, sodass sich hier keine Touristen verirren.
Er lädt uns anschließend auf eine Übernachtung bei ihm im Apartment ein, gleich nebenan fahren die Taxis nach Damaskus ab, wo wir am Wochenende hinreisen werden.
Nach weiterer, interessanter Unterhaltung bringt er uns wieder zu unserer WG zurück, Julia geht weiter zum Libanesisch- Kurs.
Als Randbemerkung: Die hier gefahrenen Autos sind allesamt importiert. Allerdings gibt es von allen Autoherstellern Sondereditionen, welche meist weniger wiegen und andere Ausstattung haben. Der Katalysator wird hier dann abmontiert, weil die Libanesen glauben, in der Hitze ohne Katalysator mehr Schub zu erhalten (Anmerkung der Redaktion: Einige Einwohner hier brauchen glaube ich bei dem Smog eher etwas Schub in den grauen Zellen). Feras unser Mitbewohner, erklärt uns später, dass Autos mit Katalysator hier stärker besteuert werden.

Anschließend unterhalte ich mich mit Julia, Sonia und Feras über Religion und libanesische Kultur. Sonia stellt die These auf, dass die Taliban ein Fortschritt in Afghanistan im Vergleich zur vorherigen Anarchie waren. Es wird heftig diskutiert.
Dann: Stromausfall. Die gegenüberliegenden, wohlhabenden Familien werden durch automatisch anspringende Generatoren versorgt. Nach und nach wird die gegenüberliegende Häuserfront heller und heller, sodass auch wir auf der Terrasse einigermaßen Licht haben. Bei uns dauert es noch etwa 45 Minuten, und der Strom ist wieder da. In unserer Küche sind zwei Wasserhähne. Der eine funktioniert nur, wenn ein Wasserausfall vorliegt, angeschlossen ist eine Reserve des Hauses.