Endlich! Es geht abwärts. In Japan 10%, in Europa rund 7%. Jetzt noch etwa 50% Wertminderung und wir befinden uns auf realistischem Niveau. Dem von 2003. Es geht derzeit alles etwas schnell, zugegeben, doch das kennen wir aus der Eckkneipe vom Kartenhäuschen: Jede Lage wird etwas riskanter und schwieriger, irgendwann stürzt alles zusammen. Die Kartenhausbauer standen nun lang genug im Mittelpunkt des Stammtischgeschehens. Nun tun alle ihr bestes, um diese Kartenhäuschen schnell wieder aufzubauen. Doch statt dabei auf Stahlbeton zu setzen, bleiben wir bei Leichtbaumaterial. Bis das Haus wieder zusammenstürzt.
Jetzt hat sich der Chefkartenhausbauer der deutschen Bank zu Wort gemeldet. Nachdem dieser das durch die Bundesregierung mit vielen Zugeständnissen gegenüber den Banken (zum Beispiel dass diese nur im Falle einer Beteiligung des Staates die Managergehälter anpassen müssen, nicht aber bei Inanspruchnahme einer Garantie) gestaltete Rettungspaket gefordert hatte, braucht er es nun nicht mehr und schämt sich im Konjunktiv sogar für eine Eventualannahme. Nun ist klar: Wer im Paket teilnimmt, gilt als Verlierer. Zugegeben ist es ein edler Zug, auf die Verstaatlichung etwaiger Verluste zu verzichten und sich nicht als bestverdienender Bittsteller gegenüber dem Normalverdiener zu positionieren. Doch fußt die Tatsache, dass er keine Verlustgrößenordnungen zu verzeichnen hat, auf die man nur mit Insolvenz oder Staatsbeteiligung reagieren könnte, darauf, dass es eben das Rettungspaket gibt. Da ist es sehr arrogant, nun seine Nichtteilnahme rhetorisch zu feiern.
Eines hat die Bundesregierung bewiesen: Die europäische Finanzelite genießt weiterhin marktpolitische Narrenfreiheit und den Zugriff auf staatliche Schwimmwesten. Dass seit 2005 die Zahl der weltweit hungernden Menschen um 10% auf 960 Mio. gestiegen ist und dass wir in der Klimapolitik dringend notwendige Maßnahmen auszugestalten haben, wird in den Büchern mit etwa 20 Mrd. Euro vorausgeplant. Eine Summe, die schon durch die Rettungszahlungen für die Hypo Real Estate ums doppelte übertroffen wird.
Auch steht fest: Die ideologischen Ursachen dieser Krise werden nicht beleuchtet. Es bleibt ein System, welches auf kostenfreier Ressourcenausbeutung und Verschwendung kostbarer Energiequellen beruht. Es ist nicht verstehen, warum dem in etwa alle zehn Jahre kollabierenden Pyramidenspiel der Börsen nicht der Garaus gemacht werden. Glücksspiele, welche darauf basieren, dass Teilnehmer weitere Teilnehmer finden, welche sie aus der Beitragszahlungspflicht für das Spiel freikaufen und so Gewinne kassieren, sind nämlich in Deutschland illegal. Das Spekulieren um den Ölpreis und das Aufkaufen von Wasserreservoirs trägt effektiv einer kleinen Elite das Geld zu und sorgt bei der Mehrheit der Bevölkerung bestenfalls zu einer Erhöhung des Buchgeldes, um von der tatsächlich stattfindenden Umverteilung von der Breite in die Spitze abzulenken.
Der Möglichkeit, ohne eine Wertschöpfung Geld zu verdienen, sollte Einhalt geboten werden. Auch vor dem Hintergrund der Staatsstabilität, welche wie die aktuelle Krise in Island zählt, durch kleine Stellschrauben schon sehr ins Wanken kommen kann.