-16updown
2008-10-20 09:11:00

Wo besteht eigentlich der entscheidende Unterschied zwischen einem Barren Gold im Schrank und Geld auf der Bank? Mal angenommen der Wechselkurs sei konstant und die Mengen dieselben, besteht auf den ersten Blick keiner. Ich gehe zur Bank und hebe Geld ab oder tausche ein Teil des Goldes in Scheine um. Das der Umtausch von Gold nicht sonderlich akkurat möglich ist, sei ignoriert.

Nun aber der entscheidende Unterschied: Bringt ein Kunde sein Geld zur Bank, verleiht diese das Geld weiter und stellt es anderen Kunden zur Verfügung. Nun wird es auf dessen Konto verbucht und sofern nicht alles durch den zweiten Kunden abgehoben wird, geht das Verleihen weiter. Bis zu einem Faktor von 10 des ursprünglichen Geld. Heißt: Ich bringe 10.000 Euro zur Bank, diese macht in den Büchern 100.000 Euro daraus. Nennt sich Giralgeld und ist ein alter Effekt. Hat mit der Finanzkrise nichts zu tun.

Nun verstehe ich die Aufregung nicht. Weder ist gebuchtes Geld ein gesetzliches Zahlungsmittel, noch sollten wir guten Gewissens erwarten, all unser Erspartes abheben zu können. Wozu dann die Aufregung unser Erspartes sei in Gefahr? Es ist nicht in Gefahr, es ist nicht einmal liquidierbar! Denn sollte es hart auf hart kommen (und in dem Falle erwarten wir das Geld), könnten wir gerade 10% flüssig machen. Zumindest im Durchschnitt. Wenn man vor allen anderen sein Konto liquidiert, ist der Ertrag natürlich höher. Nur dass dann 9 andere Kunden leer ausgehen.

Wie auch immer man zur Finanzkrise stehen mag, wäre es jedenfalls höchste Zeit, sich über den Begriff des Geldes Gedanken zu machen. In klassischer Barform ist es recht anschaulich zu erklären: Ich verbringe meine Zeit überdurchschnittlich produktiv und erhalte dafür einen Geldausgleich. Dieser ermöglicht mir, eine andere Person zur überdurchschnittlichen Produktivität anzuregen. Der andere Mensch tätigt eine Dienstleistung, beispielsweise die Anfertigung eines Schuhs oder von Grundnahrungsmitteln. Die Bewertung, ob man überdurchschnittlich produktiv ist oder nicht, erfolgt durch die Gesellschaft. Ist man in der Lage, eine Tätigkeit auszuführen, die überdurchschnittlich angesehen oder nachgefragt ist, gilt man als überdurchschnittlich produktiv. Ist man hingegen ein gesellschaftlicher Lückenbüßer, so muss man deutlich mehr Zeit durchschnittlich produktiv sein, um überhaupt ausreichend Gelegenheit dazu zu finden, andere zum Produktiv-Sein zu motivieren (um beispielsweise Grundnahrungsmittel zu erhalten).

Das Problem haben derzeit zum Beispiel die Milchbauern und die Investmentbanker. Um erstere kümmert sich keiner und es sieht auch keiner ein, höhere Milchpreise zu bezahlen (auch wenn jeder es gut fände wenn "die alle anständig bezahlt werden" würden). Und die Investmentbanker sind derzeit nicht sehr angesehen. Dass es ihn immer noch relativ gut geht, liegt wohl daran, dass Kühe seltener Gold spucken als an der Börse Handelsgebühren entrichtet werden müssen.