Was passiert ist
Gerade wo es Deutschland so schlecht geht -- steigende Arbeitslosigkeit, ein wachsender Schuldenberg und vor allem: Gejammer von allen Seiten. Gerade in diesen Zeiten sollte man sich ein Herz fassen und den Einzelhandel unterstützen. Diese gelobte, doch gescholtene Milchkuh vielfältiger Ausprägung, welche sich nicht vom Einheitswahn der amerikanischen und europäischen Großhandelsketten hat vereinnahmen lassen, müssen wir zwar fordern, aber eben auch fördern. Denn ein Auto ohne Sprit mag zwar den Berg hinabrollen, nicht aber die Krise erfolgreich meistern. Aus diversen Wirtschaftsfachkreisen hört man immer wieder, an der Binnennachfrage hapere es. Darum braucht es mehr Nachfrage im Einzelhandel, welcher traditionell mehr auf Qualität und einheimische Wertarbeit setzt.
Dies sind auch die Gründe, warum ich eigentlich gerne im Einzelhandel einkaufe - eigentlich. Denn eine interessante Geschichte lässt mich dann manchmal an den Deutschen Zweifeln.
Nach einem Aufenthalt in einem exotischen Land entschloss ich mich die dort Aufgrund minderer Qualität nicht ausreichend entwickelten Fotos hier erneut von Negativen auf CD scannen zu lassen. "Das können wir in Deutschland viel besser", lautete meine Diagnose im Entwicklungsland. Also nahm ich die Negative und ging zu einem Einzelhandelshaus in der Mönckebergstraße, nicht das, bei dem Christen oder Katholiken vielleicht zu Ostern einkaufen. Den Namen möchte ich hier aufgrund meiner Treue zum Einzelhandel nicht nennen, denn jeder macht mal einen Fehler, auch wenn dieses Unternehmen den Fehler gleich drei Mal machte - da drücke ich ein Auge zu.
Wie gesagt, ich fahre zum Einzelhandel und entscheide mich so gegen Mediamonster und wie sie alle heißen. Schließlich geht es auch um einen besonderen Auftrag: Negative auf CD zu scannen ist keine einfache Aufgabe, auch wenn die Eingeborenen im Urlaubsland das ganz gut hinbekommen haben. Ich war mich sicher, der deutsche Einzelhandel würde es besser machen.
Ich frage die Kassiererin - im Einzelhandel ist alles sehr kompakt, keine Spezialisten für jede Kauftriebfolge - welche zwar nicht weiß, wie ich die Fototüte ausfüllen soll, aber das meistere ich dann dank meiner Mächtigkeit über die deutsche Sprache.
Eine Woche soll es dauern, schon eine Reife Zeit um 32 Filmstreifen in den Automaten zu schieben und auf einen Rohling zu brennen. Hätte ich eine solche Maschine, und die Auslastung kann hier nicht der Grund sein, würde es vermutlich maximal 30 Minuten dauern, weil ich zehn Bedienfehler mache. Wieviele Bedienfehler die Jungs beim Labor dann tatsächlich gemacht haben, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls waren ein Drittel der Fotos schwarz auf der CD.
Also fahre ich - schließlich hat mich das ganze fast fünfzehn Euro gekostet - wieder zu meinem Lieblingsgeschäft und erklär der vollkommen überforderten Kassiererin mein Problem, verstehen tut sie es nicht, doch einen Reklamationsschein kriegt sie ausgefüllt. Diesmal könne es etwas länger dauern, denn die Reklamation werde extra bearbeitet.
Extra bearbeitet? Die Resultate eine Woche später lassen eher darauf schließen, dass entweder nur Blinde im Labor arbeiten oder die Dunkelkammer sich nicht von innen verlassen lässt. Jedenfalls lautet meine Diagnose identisch und die Kassiererin ruft bei meiner nächsten Reklamation einen Tag später gleich ihren Chef, welchem ich das Problem dann erkläre. Der versteht das auch nicht und lässt am nächsten Tag beim Labor anrufen. Mit dem Ergebnis: Schwarzweißnegative bearbeitet das Labor nicht. Komisch nur, dass immerhin zwei Fotos dieser Sorte auf der CD sind. Vermutlich hätte ich die Bilder lieber abzeichnen oder abpausen sollen. Hätte Zeit und Geld gespart.
Konsequenz
Wütend über diesen Vorfall hole ich mir also eine Woche das Geld zurück, welches ich für die Fotos bezahlt habe, welche nicht eingescannt werden konnten - natürlich haben die Angestellten den Vorfall vergessen. Die Überprüfung dauert wieder 30 Minuten, weil der Chef sich zweimal verzählt. Außerdem muss natürlich alles zweimal geprüft werden, bis mir die EUR 1,75 ausgezahlt werden. Die Kasse ist übrigens fast leer, weil vor mir auch nur Reklamationen zu bearbeiten sind. Bleibt nur zu hoffen übrig, dass der Laden hier dicht macht und stattdessen eine vernünftige Großkette sich breit macht -- in jedem Fall geht es dem Einzelhandel offensichtlich viel zu gut!