+27updown
2009-09-10 09:11:00

In letzter Zeit ist es mir vermehrt aufgefallen, dass viele unserer Mitbürger darauf bedacht sind, möglichst unauffällig zu sein und sich daran erhaben, Personen, welche deutlicher im Rampenlicht positioniert als sie selbst, als merkwürdig und exzentrisch herauszustellen.

"Die ist doch nicht normal" ist so ein Satz, wie er mir jüngst bei einer U-Bahn-Fahrt begegnete, als ich unfreiwillig Zuhörer einer Diskussion über das gestrige Fernsehprogramm zwischen Mutter und fast erwachsener Tochter wurde. Die Essenz dieser Aussage ist dann wohl, dass es sich bei der Person um eine in ihrer Mittelmäßigkeit verschwommene Erscheinung handelt, welche all ihre kreativen Energien auf die Anpassung an das Ideal der Unauffälligkeit verschwenden.

Vielleicht aber ist es aber gar nicht der Hang zur Durchschnittlichkeit, sondern der Wunsch, sich einmal bei Dieter Bohlen zum Gespött des Show-Geschäfts zu machen (obwohl der Durchschnitt dort gar nicht zugelassen wird, sondern eher die Klasse darunter). Der unbedachte Selbstvergleich bei der Herausstellung der Anomalie einzelner Prominenter bezeugt nämlich auch das eigene Unvermögen, soweit ins Rampenlicht gelangt zu sein und dies vermutlich auch nie zu schaffen.

Ich habe nicht korrekt zitiert. "Die ist doch nicht normal, oder?" muss es heißen.