Wir fahren zu Obdachlosen und Armen und versorgen jene mit Getränken, Lebensmitteln und Kleidung. Sonntags ab 19:00 treffen wir die Vorbereitungen und fahren dann mit einem Transporter in eine Seitenstraße in Holborn, um dort den Hilfsbedürftigen die erwähnten Gegenstände zu überreichen. Die Betroffenen selbst sind sehr verschieden. Grundweg sind sie dunkel gekleidet, alle weiteren Merkmale variieren sehr. Teils sind sie schwarz, die meisten allerdings englischer Herkunft. Ich vermute, die Eingewanderten neigen eher dazu, sich freiwillig ausnutzen zu lassen uns tauchen daher seltener in solchen Gruppen auf. Teils sind die zum deutlich überwiegenden Teil männlichen Herren etwas wählerisch, teils an Unterhaltungen interessiert, ein Großteil von ihnen freut sich über unseren Besuch. Leider gibt es auch welche unter ihnen, welche gezielt einen Vorteil erlangen wollen und damit bewirken, dass andere weniger oder gar nichts erhalten. Schwierig fällt die Entscheidung, Zusatzrationen zu verteilen oder nicht. Bin ich moralisch verpflichtet, jemandem drei belegte Brotscheiben zu geben, welcher behauptet, diese nicht selbst essen zu wollen, sondern seinen Genossen auf der Parkbank weiter weg mitbringen zu wollen? Ich kann die Validität der Aussage nicht überprüfen, weshalb sollte ich misstrauisch sein, wo ich seinen Charakter nicht kenne? [Zu dem Thema gerne Kommentare.]
Es ist etwas bedrückend, einem gleichaltrigen Obdachlosen gegenüber zu stehen. Es wirft die Fragen auf, welchen Weg das eigene Leben nimmt (da die Entscheidungen, die wir fällen einen ähnlichen Ereignishorizont beeinflussen). Es ist beeindruckend, zwischen all denjenigen zu stehen, die auf eine ganz andere Art und Weise außergewöhnlich sind, als wir Studierenden. Üblicherweise weicht man solchen Personen aus oder hat Angst vor ihnen. Wir gehen hingegen unter sie und bieten ihnen heiße Getränke an, weil es ihnen teilweise unangenehm ist, öfter danach zu fragen. Die meisten verhalten sich stark inferior und treten nicht als Bittsteller auf. Ich kann allen empfehlen, sich in ähnlichen Organisationen zu engagieren.