Einleitung
Die Gesellschaft sieht sich derzeit auch aufgrund weltweiter Verflechtungen verstärkt vor Problemen, welche diese nicht ohne weiteres zu lösen im Stande scheint. Hierbei ist auffällig, dass insbesondere das Verhalten verschiedener Minderheiten dazu geführt hat, der Problematik nicht bewusste Volksmassen zu aus aufgeklärter Sicht nicht tragfähigen Handlungen zu bewegen. Aufgrund der gestiegenen Komplexität der Welt leuchtet dieses Ergebnis ein, wird es für einen mündigen, seine Entscheidungen selbst verantwortenden Bürger immer schwieriger, eine vernünftige Entscheidungsgrundlage für Handlungen im Alltag zu finden. Hinzu kommt jedoch die Verschärfung des Mangels an Mündigkeit und Erwachsenheit in einem Großteil der Bürger, über die Schichten hinweg. Hieraus resultiert eine immer schwieriger zu beantwortende Frage der Bildung, der Erziehung und des Verhaltens untereinander, während hier früher sehr viel leichter Antworten zu finden waren.
Definition des Erwachsenseins
Suchen wir nach einer adäquaten und zeitgemäßen Definition des Erwachsenen, so treffen wir auf eine Vielzahl juristisch motivierter Feststellungen, welche zumeist die Erwachsenheit an teils notwendige, aber banale Bedingungen wie Alter und Selbstbestimmtheit knüpfen. Auch mangelt es in zeitgenössischen Definitionen oft am Stichpunkt Disziplin, welcher in der folgenden Definition eine tragende Rolle spielen soll und auf den auch später noch eingegangen wird.
Mensch ist, wer sich vollständig aus seinen animalischen Gefügen emanzipiert und eine gedankliche Trennung zwischen Körper und Geist vollzieht. Menschen, die ihre Handlungen objektiven Maximen unterstellen, können als erwachsen angesehen werden.
Der Prozess des Erwachsens beginnt somit am Punkte der Descartesschen Selbsterfahrung und findet seinen Höhepunkt in der Disziplinierung des eigenen Körpers und der Selbstreflexion. Letztgenannter Prozess setzt Vernunft voraus, gilt es, seine Handlungen unter eine etwa Kantsche Maxime zu stellen.
Falsch verstandene Disziplin
Die Erziehung ist eine Form der externen Hilfestellung zur Etablierung der Selbstdisziplin. Eine Erziehung, deren Ziel eine willkürliche Disziplinierung ist, erreicht keine Menschwerdung. Schon die Erziehung muss unter einer Maxime stehen. Die Erziehenden sind Partner des entstehenden Erwachsenen und müssen lernen, sich zunehmend vom unmündigen Kind zurückzuziehen und die Verschmelzung der beiden konträren Zustände aufzuheben.
Erziehung bedarf der Etablierung einer vernünftigen Autorität, welche die zu erziehende Person zunehmend schätzen lernt und selbst zu Rate zieht. Am Schlusse der Erziehung steht eine Partnerschaft zweier Erwachsener und damit gleichwertiger Bürger, welche sich ihre gegenseitige Autorität teilen können.
Falsch verstanden und von vielen Seiten deshalb abgelehnt wird der Begriff der Disziplin. Dieser erstreckt sich von Hörigkeit, also Disziplin gegenüber anderen und Selbstbeherrschung, der Disziplinierung seiner Selbst. Wer unter Disziplin nur ersteren Begriff auffasst, versteht Disziplin falsch. Es kann selbstverständlich nicht Ziel der Erziehung sein, Menschen willkürlich äußeren Zwängen auszusetzen. Im Sinne einer Partnerschaft sollte es den Erziehenden mit dem Erziehungssubjekt darum gehen, dessen Selbstdisziplin zu fördern. Denn Selbstdisziplin ist notwendige Bedingung für das Erwachsensein, da erst diese überlegtes und verantwortliches Handeln ermöglicht.
Beispiele
An dieser Stelle seien zur plastischen Darstellung der vom Autoren beobachteten Schwierigkeit einige Beispiele angeführt.
In einer globalen Gesellschaft stammen Güter hauptsächlich aus einer selbst für mündige Bürger nicht transparenten Lieferkette, welche es dem Verbraucher kompliziert, die Verantwortung für sein maßvolles Konsumverhalten zu übernehmen. Der Käufer kann ohne einen enormen Zeitaufwand nicht ausschließen, indirekt Dinge zu fördern, welche er ohne Wissenheit nicht verantworten kann und bewusst nicht verantworten möchte. Grund des Problems sind Raffgier, Mangel an Selbstlosigkeit und falsch verstandener Egozentrismus Einzelner nicht Erwachsener, welche durch ihr Verhalten es den Erwachsenen erschweren, sich wie mündige Bürger zu verhalten und sich durch ebensolche nicht erziehen lassen wollen, da sie sich für erwachsen halten. Ein höheres Maß an Erwachsenheit in der Gesellschaft würde somit solche Probleme und damit indirekt Umweltzerstörung und Kriminalität eindämmen. Mehr Reife in der Gesellschaft gewährt außerdem Rechtssicherheit und Fortbestand der Demokratie.
Durch die derzeit vielerorts vorliegende Reizüberflutung und dem in den Konsumgesellschaften vorherrschenden Überfluss, lassen sich die Bedürfnisse des Körpers und des neugierigen Geistes permanent stillen und sich Durststrecken wie Langeweile und Wartezeiten leicht überbrücken. Dies sorgt auch dafür, dass die Menschen immer ungeduldiger und gehetzter werden und sich keine Ruhe mehr leisten wollen. Zu den deutschen Gesellschaftsnormen gehört zum Beispiel traditionell hinzu, auf andere Menschen mit dem Verzehr seiner Nahrung zu warten oder den aufgrund der Vorenthaltung unsozialen Akts des Trinkens aus der Flasche zu vermeiden. Oftmals entfallen diese Tugenden mehr und mehr, wodurch auch die Qualität der Zivilisation leidet, da eine gemeinsame Zugehörigkeit, ausgedrückt durch Einhalt der Normen, fehlt. Es wird zunehmend auf die Einhaltung der gesellschaftlichen Normen wie beispielsweise Respekt, Zivilcourage und Gesetzestreue verzichtet, ohne dabei zu beachten, welche zivilisatorischen Hürden der Mensch zu ihrer Erreichung durchlaufen musste, und wie diffizil sich eine Renaissance gestaltet, sobald diese einmal über Bord geworfen sind.
Zielsetzung
Ziel der Gesellschaft muss es sein, sein Maß an Erwachsenheit zu erhöhen und bei Handlungsunfähigkeit notfalls den mündigen Bürgern, welche über Autorschaft und Zurechnungsfähigkeit verfügen, ein höheres Maß an Verantwortung zu übertragen, um eine dauerhaftes Überleben der Zivilisation zu gewährleisten. Dies ist beinahe banal, da jene die einzigen darstellen, die Verantwortung übernehmen können. Es ist vielmehr ein Appell daran, unreifen Bürgern nicht direkt die schwere Bürde der Freiheit aufzutragen, sondern sie schrittweise zur Mündigkeit zu erziehen.