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2007-03-31 19:01:00

Einleitung

Ein Schriftsteller thematisiert. Seine primäre Aufgabe besteht darin, Inhalte darzustellen, zu erläutern, zu problematisieren und final zu explizieren. Damit stellt er im Wesentlichen einen Gegenpol zum modern ausgeprägten Journalisten dar, welcher Inhalte so darstellt, dass sie entweder Zustände transferieren oder Gefühle regen, nicht aber vertieft diskutieren. Doch aufgrund der zunehmenden gesellschaftlichen Probleme scheint immer weniger Zeit für solche Dinge übrig zu bleiben und das Thematisieren verliert an Stellenwert. Dies hat wiederum die tragische Nachwirkung, dass dieser Missstand überhaupt nicht erkannt werden kann. Und da Probleme stets durch Thematisierung entstehen, lässt es sich ohne Vertiefung scheinbar viel besser leben als mit. Ohnehin scheint in Anbetracht der historischen Geistesgrößen alles gedacht und genügend reflektiert, doch ist dies bei näherer Draufsicht ein Trugschluss, da jede Niederschrift stets historisch und auf ihre Zeit bezogen ist und daher nicht andauernd als gültiges Postulat gesehen werden kann.

Lediglich dramatisierende oder rebellische Literatur ist nicht als Ziel einer Arbeit anzustreben, mag sie doch durch viele erfasst werden, salbadert sie doch am Kern vorbei und bleibt auf der Oberfläche. Es kann nicht das Ziel einer Schrift sein, andere zur Verhaltensänderung zu treiben, sondern muss stets Ziel des Lesers sein, sich seiner Gedanken willen an ihr zu bedienen. Das Ziel des Schriftstellers ist es also, die Entwicklung eines Gedankenganges darzustellen und Weiterentwicklung zuzulassen. Dies setzt eine zuvor geschaffene Basis voraus, eine Art axiomatische Oberfläche, die es zu durchdringen gilt. Dies impliziert eine gewisse Fixierung auf das Endprodukt, doch eigene Gedanken zu bilden und zu studieren ist natürlich ein gleichermaßen wichtiges Ziel, welches durch das Produkt vorausgesetzt wird, nicht aber das Produkt expliziert, schließlich müssen vertiefende Gedanken nicht in schriftliche Form gebracht werden. Ein Erfolgen dieser Umsetzung zeugt von einem großen Interesse an der Materie an sich, sofern die Literatur den oben gestellten Ansprüchen genügt. Somit ist es einem Schriftsteller belanglos, ob seine Werke veröffentlicht werden, da ihrer Erschaffung Ziel nicht in anderen Personen, sondern in sich selbst liegt, ein Schriftgut ist lediglich für den Verfasser, was sein Verfasser intendiert, denn metaphysisch betrachtet rastet das schriftliche Mosaik nur in seinem subjektiven Begriffshorizont ein. Daher und aufgrund verschiedener Assoziationsmuster weckt es bei verschiedenen Personen auch verschiedene Reaktionen und Gedanken.

Warum schreibt der Schriftsteller. Sicherlich hat hier zu einem gewissen Grad die subjektive -- nicht die intersubjektive und damit gesellschaftliche -- Berufung eine Bedeutung, doch liegt es einem jeden Wesen zu Grunde, für sein Überleben, damit seine Sicherheit und damit seine metaphysische, also auf Prinzipien beruhende Vorstellung seiner Umwelt zu erlangen, die rekursiv diese Kette zurückversichert um so die eigene Existenz zu schützen. Erkenntnis dient also der Sicherheit. Der Umkehrschluss ist hier allerdings nicht gültig -- Sicherheit dient nicht der Erkenntnis --, wichtig ist jedoch der Unterschied zwischen prinzipieller, also Verstandessicherheit und außersubjektiver Sicherheit. Letztere verhindern die zuvor genannte Klasse, da sie Erkenntnis verhindern. Daher gilt es für einen Schriftsteller, jegliche Ablenkung durch außersubjektive Beeinflussungen zu blockieren, sofern diese als unnütz erscheint.

Fazit

Zu diesen Erkenntnissen, gewisse Axiome vorausgesetzt, kommt jeder Schriftsteller obiger Perfektion und steht im Dauerkonflikt zwischen Selbstliebe und moralischer Disziplin. Diese These bedarf einiger Erläuterungen. Zunächst ist festzustellen, dass die Schriftstellerei eine Handlung an einem nicht vernunftbegabten Wesen ist, sich folglich moralischer Kriterien entzieht und damit ein Handeln an dem ausführenden Subjekt selbst ist. Doch steht der Schriftsteller wegen seiner Fähigkeit, seiner Erkenntnis zu Grunde Dinge auszudrücken und zu formulieren, vor dem Dilemma, einerseits diese Erkenntnis und den Weg dorthin aufgrund moralischer Verpflichtungen kommunizieren zu wollen und andererseits dies nicht seiner Berufung adäquat durchführen zu können, da intersubjektive Kommunikation die Erkenntnis bereits bedingt. Dieses Dilemma führt entweder zum Schluss, es handele sich bei den betreffenden Nichterkennenden um nicht reflektierende und damit nicht-menschliche Wesen oder zur Konsequenz, zwecks moralischer Ziele Unmoral in Form pädagogischer Maßnahmen anwenden zu müssen. Hierbei handelte es sich also um einen Erziehungsauftrag. Da dies jedoch aufgrund der obigen Definition der Ziele eines Schriftstellers absurd erscheint, ist dieses Dilemma unlösbar.