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2010-01-24 11:18:00

Beschreibung

In einem Museumsarchiv tauchen Fragmente eines Manuskripts auf. Der Entdecker sortiert die Papiere und bringt sie in eine lesbare Form. Es handelt sich um eine Biografie, allerdings ist nicht klar, wessen Memoiren es sind.
Lesen Sie die mysteriöse Geschichte eines Menschen, der sein Leben neu aufbauen möchte und deshalb eine Geschichte verfasst, in der er selbst den Hauptdarsteller spielt. Erleben Sie, wie sich sein Leben zunehmend mit der fiktiven Handlung seiner Manuskripte vermischt, bis die Geschichte schließlich eine unerwartete Wendung nimmt.

In der Erzählung behandelte Motive

  • Verschmelzung eines geträumten und eines realen Handlungsstrangs
  • Völkerwanderungen aus armen Landregionen in die reichen Städte aufgrund des Klimawandels
  • Vernachlässigung der armen Regionen Afrikas
  • Überreaktion eines gesellschaftlich Ausgeschlossenen auf seinen eigenen Misserfolg
  • Klassische Symbole und griechische Mythologie
  • Anonymisierung der städtischen Gesellschaft, Ausbildung abgeschlossener Subkulturen

Charakter

  • Teilweise träumerisch, teils ernst -- manchmal übertrieben, melancholische Akzente
  • Keine Pop-Literatur, eher klassisch geschrieben
  • In viele Szenen unterteilte Handlung
  • Sich allmählich erschließende Haupthandlung

Rezensionen

von Jörg Zielke am 18. April 2008, siehe lulu.com external

"Aberwitzens Untergang" erzählt die fiktive Autobiografie eines Menschen, welcher den Kontakt zur Gesellschaft verloren hat. Ein Tagträumer, der ein skurriles Leben führt und sich dazu entschließt, einen Roman zu schreiben, in welchem er der Erzähler ist -- ein satirischer Analytiker, welcher im Dialog mit dem Leser diskutiert, welch nächster Schicksalsschlag den Figuren seiner Manuskripte bevorsteht.Das absurde Alltagsleben des Biografen mangelt zwar nicht an Unterhaltsamkeit für den Leser, doch es ist der Gegenentwurf zum Wunschleben des Protagonisten in seinem Roman: In der realen Welt ist er ein Taugenichts und gesellschaftlicher Verlierer.

Umso überraschender ist es da, zu sehen, wie Fabian Gebert die Erzählebenen des Alltagslebens und des Roman-Manuskripts allmählich mischt. Figuren aus der Traumwelt tauchen plötzlich im echten Leben der Hauptfigur auf -- und diese vermag sie, wie in ihrer Erzählung, zu lenken. Je mehr der Protagonist sich seiner erlangten Fähigkeit bewusst wird, umso mehr beginnt er, seine Ablehnung und Kritik an der Gesellschaft in Jähzorn zu ventilieren. Schließlich endet die Erzählung in einem Fiasko globalen Ausmaßes.

Die Satire stellt mit ihrer wortgewaltigen Sprache und den facettenreichen Anspielungen auf klassische Literatur einen wohltuenden Kontrast zur Popliteratur dar. Die in der Novelle geäußerte Gesellschaftskritik ist nicht übertrieben und wird satirisch dargestellt. Die vielen Absurditäten und komödienhaften Ereignisse machen das Buch zu einem unterhaltsamen Ausflug in die Welt des Aberwitz. Wer sich an Werken wie "Tristram Shandy" (Lawrence Sterne) oder "Ich und Kaminski" (Daniel Kehlmann) erfreuen konnte, möchte auf dieses Werk im Bücherregal nicht verzichten.

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